Trommeln, Singen und Sprache – Musikarbeit mit traumatisierten Geflüchteten

In den Jahren 2015–2016 fand an der Carlo-Schmid-Schule in Mannheim ein besonderes Projekt statt: In Zusammenarbeit mit traumatisierten Geflüchteten wurde Musik mit Trommeln, Gesang und einfachem Deutschunterricht verbunden.

Musik als erste gemeinsame Sprache

Viele Geflüchtete, vor allem aus Krisenregionen wie Syrien, Afghanistan oder Eritrea, kamen mit belastenden Erfahrungen, Sprachbarrieren – und einem großen Bedürfnis nach Sicherheit und Ausdruck.

Musik war dabei ein universelles Medium: Sie braucht keine Worte, spricht direkt zum Körper und zur Seele. Durch gemeinsames Trommeln und Singen entstanden erste Verbindungen – ohne Druck, ohne Bewertung.

Trommeln als stabilisierende Kraft

Das gemeinsame Trommeln bot Struktur, Erdung und Ausdruck:

  • Rhythmen halfen, Spannung abzubauen
  • Gleichklang und Wiederholung vermittelten Sicherheit
  • Improvisation schuf kreative Freiräume

Für viele Teilnehmer war das Trommeln eine erste Möglichkeit, Emotionen zu regulieren und in Kontakt zu kommen – mit sich selbst und mit anderen.

Singen stärkt das Selbst

Gemeinsames Singen einfacher Lieder – teils auf Deutsch, teils in den Muttersprachen – wirkte verbindend und stärkend. Viele Geflüchtete konnten durch das Singen ein Stück Heimat spüren oder neue Rituale entwickeln. Die Stimme wurde so zum Ausdrucksmittel und zur Brücke zwischen Kulturen.

Deutschlernen mit Musik

Ein besonderer Aspekt des Projekts war die Verknüpfung von Musik und niederschwelligem Sprachunterricht. Über Lieder, Reime und Rhythmus wurde Deutsch auf spielerische Weise vermittelt. Der Zugang über Musik erleichterte das Lernen und half, Sprachängste abzubauen.

Wirkung und Nachhall

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren bewegend: Viele fühlten sich zum ersten Mal gehört, gesehen und emotional verstanden. Die Arbeit mit musiktherapeutischen Elementen unterstützte nicht nur die Integration, sondern auch die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse – auf behutsame, kreative Weise.

Das Projekt „Trommeln und Singen mit traumatisierten Geflüchteten“ zeigte eindrücklich, wie Musik Räume öffnen kann – für Vertrauen, für Sprache, für Heilung. In Zeiten von Flucht und Verlust kann sie Halt geben – leise, rhythmisch, verbindend.

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